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Die Uhr

Mobirise

Lied: „Machen wir das Beste draus“, Silbermond

(Link: https://www.youtube.com/watch?v=q62vWAmBPrg)

Ein Junge hatte Geburtstag und wartete auf seine Gäste. Die besten Freunde des Jungen sollten abends kommen, und so saß er die ganze Zeit in seinem Zimmer und starrte auf die Uhr.
Die lief ganz langsam weiter… tick und tack

Die Sonne des blauen Himmels schien durchs offene Fenster in sein Gesicht. Dadurch konnte er gar nicht richtig die Zeiger sehen. Also schloss er den Vorhang. Der Junge setzte sich traurig wieder vor die Uhr, die nicht schneller laufen wollte.
Die Uhr lief ganz langsam weiter… tick und tack

Jetzt hatte er zwar den Vorhang zugezogen, doch er konnte immer noch die ganzen Geräusche von draußen hören. Den Wind, andere Menschen, Autos, Vögel und und und. Das störte ihn doch ziemlich. Daher schloss er auch noch das Fenster ganz. Nun saß er da im Dunkeln und versuchte die Uhr anzustarren. Die Zeiger konnte er gar nicht mehr erkennen. Also machte er das Licht an, um bloß nicht zu verpassen, wenn die Uhr endlich weiterginge. Der Junge setzte sich noch trauriger wieder vor die Uhr, die nicht schneller laufen wollte.
Die Uhr lief ganz langsam weiter… tick und tack

Als der Vater das sah, kam er in das Zimmer des Jungen und meinte: „Draußen ist so schönes Wetter, und du starrst nur auf die Uhr! Du verpasst ja den ganzen Tag“. Daraufhin musste der Junge sich anziehen und rausgehen, worauf er gar keine Lust hatte.
Die Uhr lief ganz langsam weiter… tick und tack

Nun hatte er keine Uhr und wollte nichts machen, um abends seine Freunde nicht zu verpassen. Sonst wäre er vielleicht zum Nachbarn gegangen zum Fußball spielen oder zu dem Jungen die Straße runter, der mit der Hüpfburg. Die beiden würden aber sowieso später zu seiner Party kommen. Er setzte sich also im Garten unter den großen Apfelbaum und starrte auf sein Zimmerfenster. Er glaubte es fast hören zu können. Ganz bestimmt!
Die Uhr lief ganz langsam weiter… tick und tack

So saß er so da und starrte vor sich hin und wieder fiel ihm das Sonnenlicht ins Gesicht. Erst störte es ihn. Einen Vorhang hatte er nicht. Doch eigentlich fühlte es sich ganz angenehm an mit der warmen Sonne auf der Wange. Er schloss die Augen und ließ sich einen Moment die Sonne ins Gesicht scheinen. Da war er wieder. Dieser laute Vogel. Der Junge öffnete ein Auge und schaute nach oben. Genau über ihm auf einem Ast saß der Vogel und gurrte fröhlich vor sich hin. Eigentlich klang das Geräusch recht angenehm, und der Vogel hatte ganz bunte Federn und war sehr schön anzusehen. Plötzlich merkte der Junge, wie die Blätter des Baumes und der Pflanzen leicht im Wind wehten, von der Straße hörte er Autos.
Er sah Menschen, die an seinem Haus vorbeigingen. So saß er da und verfolgte interessiert das Schauspiel, das der Tag bot.
Als die Gäste kamen, fanden sie ihn schlafend unter dem Baum. Die Uhr lief immer noch langsam weiter…tick und tack. Die hatte der Junge aber komplett vergessen.
Corona. Das bedeutet für mich primär warten. Darauf, dass sich die Lage normalisiert, warten darauf, dass ich endlich wieder die Sachen machen kann, auf die ICH Lust habe. Dieses Warten bedeutet für mich vor allem, unzufrieden zu sein.
Und das alles nur wegen diesen ganzen Regeln, die mir mein Leben versauen. Naja, eigentlich sind die Regeln ja schon sinnvoll. Man stelle sich vor, wie viele mehr krank wären, würden sich nicht so viele an sie halten. Das Leben wäre für viele deutlich gefährlicher, für andere und für mich selber auch. Auch wenn die Regeln mir nicht wirklich gefallen, sie scheinen wohl nötig zu sein, um uns alle zu schützen. Warten bedeutet wohl momentan eher helfen. Helfen bedeutet schützen.
Ich möchte aber trotzdem endlich wieder machen können, was mir gerade in den Sinn kommt. Das wird wohl noch etwas dauern. Das schlägt mir ziemlich auf die Laune. Um nicht ganz zu versauern, gehe ich jeden Tag ein paar Kilometer spazieren. Vor einigen Tagen war wirklich gutes Wetter. Eigentlich war ich nur unterwegs, um nicht zu Hause zu sitzen. Aber eigentlich war es sehr angenehm, und ich habe meinen Spaziergang deutlich ausgedehnt. Zu Hause habe ich seit Jahren mal wieder lang geschlafen. Allgemein war es deutlich entspannter, und ich kam zur Ruhe.
Ich habe mir mal die Zeit genommen, mal wieder ein Buch zu lesen, ohne es für die Uni zu müssen; meine Spotify-Listen neu zu machen und anzuhören; mal wieder aufwendiger zu kochen und vor allem: einfach mal nichts zu tun.
Klar nervt Corona uns alle, klar erschwert die durchgehende Furcht vor einem zweiten Lockdown die Lebensplanung. Dennoch: Momentan besteht halt auch mal die Möglichkeit, mal das zu machen, was man sonst vernachlässigt. Auch jetzt darf man nicht vergessen, sich über schöne Sachen zu freuen, vielleicht entdeckt man sogar etwas neues, anderes, was einem sonst entgangen wäre. Das heißt nicht, dass man nicht genervt sein darf, dennoch darf man auch das Gute nicht vergessen. Um es mit den Worten des Anfangslieds zu sagen: Machen wir das Beste draus! 

Alexander Ohm

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